Körperpsychotherapie & Biorelease
Wenn ich von Körperpsychotherapie spreche, will ich erst einmal sagen, dass es sich hierbei um Psychotherapie handelt. Eine Form der Psychotherapie, die den Menschen als Ganzes betrachtet. Hat jemand Probleme auf psychischer Ebene, zeigen sich diese häufig auch auf der Ebene des Körpers. Es kann auch sein, dass sich dein Körper über Symptome bemerkbar macht und möchte, dass du dir ein (psychisches) Thema anschaust. Symptome können dabei zum Beispiel Verspannungen oder Schmerzen sein. Sind diese wiederkehrend und du kommst nicht richtig weiter mit deinen Problemen, kann es sinnvoll sein, Körperpsychotherapie wahrzunehmen.
Man kann dann auf einer regulierenden/entspannenden Ebene (Biorelease-Massage) arbeiten oder in die tiefere Bewusstseinsarbeit (Körperpsychotherapie) einsteigen.
Biorelease (Massage)
Gerda Boyesen hat herausgefunden, dass sich negative psychische Erfahrungen (wie zum Beispiel Traumata) im Darm und im gesamten Körpergewebe abspeichern. Es kommt dann zu einer Blockade in einem bestimmten Körperbereich. (Auch Wilhelm Reich fand die Verbindung zwischen Psyche und Körper heraus und sprach vom sogenannten Charakterpanzer. )Gerda Boyesen entwickelte eine bestimmte Technik, mit diesen Blockaden zu arbeiten, nämlich mit dem Stethoskop. In der Biorelease Massage kann man dieses Stethoskop benutzen, um wahrzunehmen, ob das Darmgewebe gut arbeitet, oder es Störungen in seinem natürlichen Fluss gibt. Hier arbeitet man dann mit dem Körpergewebe (Haut, Muskeln, Bindegewebe) und kann so Verspannungen/Blockaden in der Tiefe lösen und den natürlichen Regulationsmechanismus des Körpers wieder aktivieren. Findet Entspannung im Körper(gewebe) statt, können die erlebten Dinge verarbeitet und integriert werden.
In der Körperpsychotherapie geht man davon aus, dass der Körper einem energetischen Zyklus obliegt. Er benötigt also die Entspannung (Parasympathikusaktivität), um sich selbst zu regulieren, Erlebtes zu integrieren und zu neuer Kraft zu kommen. Sind wir gut entspannt, können in uns neue Impulse/Bedürfnisse aufkommen, etwas zu tun. Der Sympathikus wird aktiviert und wir können eine Aktivität starten (zum Beispiel Joggen gehen). Im Anschluss will das Erlebte wieder integriert werden und der Körper in die Entspannung kommen, bevor das nächste Bedürfnis aufkommen und die nächste Aktivität ausgeübt werden kann.
Häufig hat jeder seinen speziellen Punkt in diesem Zyklus, an dem er Schwierigkeiten hat. Dem einen fällt es schwer, die Dinge anzugehen, der andere kommt gut in den Ausdruck, genehmigt sich aber keine Erholung/Integration. Es ist gut, herauszufinden, wo man Probleme hat, um dann gezielt hier etwas zu verändern. Biorelease (Massage) arbeitet hiermit, führt zu besserer Regulation und Integration und kann auch Ideen geben, wie du mehr in den Fluss kommst.
Biodynamische Körperpsychotherapie
Möchtest du tiefer einsteigen und ganz bewusst damit arbeiten, zum Beispiel bestimmte Verhaltensmuster nicht immer wieder abzuspulen, sondern besser im Kontakt mit anderen und dir selbst zu sein, dann kann Körperpsychotherapie hilfreich sein.
Biodynamische Körperpsychotherapie stellt häufig aktuelle Themen mit Themen aus deiner Kindheit in Zusammenhang. Dabei kann es darum gehen, dass bestimmte Gefühle in deiner Kindheit nicht gelebt werden konnten. Zum Beispiel kann in einem Familiensystem das Motto “Harmonie” wichtig gewesen sein und so konnte es nie zu dem Gefühl von Wut kommen oder Wut ausgedrückt werden. Das Gefühl von Wut wird als unterdrückt oder im Keim erstickt. In der Biodynamischen Körperpsychotherapie wird dann der Raum gegeben, dieses Gefühl (körperlich) auszudrücken, die unausgesprochenen Worte zu sprechen. Es geht immer darum, in den Körper zu spüren und die Gefühle wahrzunehmen und somit besser mit sich selbst in einen guten Kontakt zu kommen. Dadurch können sich Blockaden in deinem jetzigen Leben lösen und du kannst wahrhaftiger zu dir stehen und deine Gefühle wahrnehmen und sie auch zum Ausdruck bringen.
Theoretischer Input:
In der Biodynamischen Körperpsychotherapie gehen wir davon aus, dass in jedem Menschen eine Primärpersönlichkeit angelegt ist. Diese beinhaltet eine persönliche Note eines jeden Menschen, die schon durch seine Geburt (Seelenplan, Gene, welches Konzept man hier auch als Basis nimmt) in seinem Wesen im Grundsatz angelegt ist. Dann passiert es (eigentlich jedem Menschen), durch die ersten Erlebnisse (dies kann auch schon vorgeburtlich sein), dass der Mensch bestimmte Anpassungen macht. Es kann sein, dass man sich in seinem Wesen zurücknimmt, um ins System zu passen, nicht zu viel sein will, oder auch einfach, um die Liebe der Mutter oder des Vaters kämpft. Dieses angepasste Muster nennt die Biodynamische Körperpsychotherapie Sekundärpersönlichkeit. Sie ist die Persönlichkeit, die glaubt so sein zu müssen, um das Überleben zu gewährleisten. Und manchmal ist es auch ein wichtiger Überlebensmechanismus, der da entstanden ist. Er ist dann in der Kindheit hilfreich. Und wenn man es positiv betrachten will, ein Anteil, der die Primärpersönlichkeit, den Wesenskern eines jeden Menschen, beschützt. Die Herausforderung im jetzigen Leben ist es dann, dass die Sekundärpersönlichkeit sich so daran gewöhnt hat, den Wesenskern zu beschützen, dass sie immer, wenn ihr vermeintlich ähnliche Muster wie aus der Kindheit begegnen, anspringt. Dies bedeutet auf der anderen Seite, dass die Primärpersönlichkeit, also das, was hier auf der Erde eigentlich gelebt werden will , nicht zum Vorschein kommen kann. Hier setzt nun die Biodynamische Körperpsychotherapie an. Sie schaut an, was die Sekundärpersönlichkeit ausmacht, warum sie sich so ausgeprägt hat, wie sie ist. Der Klient versteht besser, welche Schutzmechanismen er hat und kann sie dann in Folge dessen auch ablegen. Wir arbeiten sehr lebendig und gehen nach dem Prinzip, dass die Sekundärpersönlichkeit abgelegt werden kann, gleichzeitig auch mit ihr Freundschaft geschlossen werden kann, falls sie doch noch einmal benötigt wird (sie wird integriert). Und gleichzeitig geht es darum, die Primärpersönlichkeit immer mehr zum Vorschein zu bringen. Dies geschieht auch durch die Arbeit mit dem Unbewussten. Es geht darum, die Primärpersönlichkeit, die wie ein Samenkorn vorhanden und angelegt ist, nun wachsen zu lassen. Durch Beziehungsarbeit, zum Beispiel das Prinzip des Nachnährens, kann die Primärpersönlichkeit immer mehr hervorkommen. So können Bedürfnisse, die in der Kindheit nicht befriedigt wurden, nachgelebt werden. Es kann darum gehen, Liebe und Aufmerksamkeit zu bekommen, einfach sein zu dürfen, die Bewertungssysteme der Kindheit neu zu gestalten.
Und so kann es dann in ein aktiveres, bewussteres Leben gehen. In mehr Lebendigkeit.
© Friederike Micheel